Gut vorbereitet ins Bewerbungsgespräch

Woche Pfob Gespräch

Oft erlebe ich, dass Bewerber nicht wirklich vorbereitet in ein Bewerbungsgespräch gehen und wenn sie zu mir kommen, sagen, dass Sie keine Ahnung haben, warum das Gespräch nicht ihren Erwartungen entsprechend gelaufen ist. Und ich finde das so schade und irgendwie patschert (österreichische Variante von ungeschickt 😉) diese Chance der Vorbereitung nicht zu nutzen. Eine meiner ersten Fragen lautet dann: Was haben Sie denn bisher zum Bewerbungsgespräch mitgenommen? Manchmal erhalte ich die Antwort „nichts“, öfters „meinen Lebenslauf und selten „etwas zum Mitschreiben“. Deshalb ist es mir heute ein dringendes Anliegen Sie auf jene 4 Zettel (Unterlagen) hinzuweisen, die Sie immer mitführen sollten, damit Ihr Leben während des Gespräches leichter wird und Sie beim anderen einen besseren Eindruck hinterlassen können.

  1. Ihre Bewerbungsunterlagen: Drucken Sie nochmals alle Bewerbungsunterlagen aus, in Farbe, sorgfältig und ansprechend gestaltet. Natürlich hat der Personaler Ihren Lebenslauf ausdruckt, aber meistens in Schwarzweiß und schön gestaltete Unterlagen kommen immer gut an. Es geht auch nicht darum, diese Unterlagen mit biegen und brechen beim Anderen anzubringen, sondern um aufzuzeigen, dass man sich vorbereitet hat. Oft reicht es, wenn Sie die Unterlagen neben sich liegen haben, eine schöne Optik zieht immer die Augen auf sich und der ersten Eindruck, das wissen meine Leser ja schon, ist entscheidend. Wenn es im Gespräch passt, können Sie die schöne Variante anbieten. Dabei ist es egal ob Ihre Unterlagen angenommen werden oder nicht, gesehen wurden sie. Also Anschreiben, Lebenslauf, Abschlusszeugnisse/Diplome und Dienstzeugnisse nochmals mitbringen. Bei den Abschlusszeugnissen und bei den Dienstzeugnissen immer nur jene, die eine hohe Aussagekraft für den nächsten Job haben. Ersparen Sie Menschen Papierkram, der ihnen nur Arbeit bereitet, aber keine Aussagekraft beinhalten. Überlegen Sie sich: Erhöhe ich mit diesen Zeugnissen oder Dokumenten meine Glaubwürdigkeit und kann ich damit meine Kompetenzen sichtbar machen? Zusätzlich können Sie die Unterlagen dazu verwenden, mit Ihren Fingern auf Kompetenzen, über die Sie gerade sprechen, im Lebenslauf zu verweisen. Dabei schauen gemeinsam in eine Richtung, fixieren einen gemeinsamen Punkt auf dem Papier, was sich generell in der Kommunikation als positiv herausgestellt hat. Menschen merken sich Informationen auch leichter, wenn sie visuell und auditiv dargestellt werden.
  2. Das Stelleninserat: Nehmen Sie das Inserat mit. Dann ersparen Sie sich das Auswendiglernen des Anforderungsprofils. Es macht nur mehr Stress, wenn man sich im Gespräch nicht mehr erinnert, welche Hard und Softskills exakt ausgeschrieben waren. Markieren Sie auf dem Inserat jene Fähigkeiten, in denen Sie besonders gut sind. Zusätzlich stehen auf diesem Zettel alle Informationen, wie Name des Unternehmens, Kontaktperson (nicht immer), meistens eine Kurzphilosophie der Firma, die Sie beim Termin gut brauchen können. Wenn dann zum Beispiel die Frage folgt: „Warum ausgerechnet Sie?“, können Sie das Papier zur Hand nehmen und auf die wichtigsten Punkte am Zettel verweisen. „Für Sie sind ja eine Ausbildung in … und die Erfahrung in einem …. sehr wichtig, beides bringe ich mit….und kann Ihnen …. bieten“. So erwecken Sie den Eindruck, dass Sie sich wirklich gut vorbereitet haben und auf gewünschte Fertigkeiten genau eingehen können. Sprechen Sie bitte nur über Wichtiges und nicht über Ausbildungen oder Jobs, die mit dem zukünftigen Job nichts gemein haben. Aufmerksamkeit erhält man, wenn man über jene Sachen spricht, die der andere braucht oder von denen er profitiert. Und dazu kann das Stelleninserat den Job als wertvollen Schummelzettel übernehmen. Als Schüler waren wir doch alle Profis 😉 darin und im Bewerbungsprozess glauben wir plötzlich, alles auswendig wissen zu müssen. Müssen wir nicht!
  3. Schreibunterlagen: Bitte nehmen Sie etwas zum Schreiben mit, kein Mensch kann sich das gesprochene Wort aus 45 Minuten merken. Sie sollen auch keinen Aufsatz verfassen und sich nur noch mit dem Papier vor Ihnen beschäftigen, aber notieren Sie wichtige Informationen und Erkenntnisse während des Gespräches. Zeigen Sie volle Aufmerksamkeit, mit Ihren Augen, Ohren und Händen. Echtes Interesse ist noch immer ein Hauptentscheidungskriterium. Und es gibt einen wichtigen Vorteil. Am Ende des Gespräches kommt oft die Frage: Was stellen Sie sich denn gehaltlich vor? Hier fassen Sie nun jene Punkte zusammen, die sich während des Gespräches als must have herausgestellt haben und die sie auch vorweisen können. Also während des Gespräches notieren Sie, worauf Ihre Gesprächspartner besonders viel Wert legt und genau auf diese Punkte gehen Sie am Ende bei der Gehaltsfrage ein. Auch bei der Frage: „Warum sollen wir uns ausgerechnet für Sie entscheiden?“ können Sie Ihre Notizen nutzen.
  4. Ihre Fragen: Überlegen Sie sich im Vorfeld jene ca. fünf bis sieben Fragen, die Sie unbedingt beantwortet haben müssen, um selbstsicher sagen zu können, dass Sie der richtige Kandidat oder die richtige Kandidatin sind. Mit Fragen von beiden Seiten kommt das Gespräch auch auf Augenhöhe, die sich so viele Bewerber wünschen. Nur antworten sind wir aus der Schule gewohnt, stellen Sie Fragen und beginnen Sie das Gespräch zu führen. Und wenn gegen Ende des Gespräches Ihnen die Frage gestellt wird: „Haben Sie noch Fragen?“ kommen Sie schnell aus der peinlichen Situation des Achselzuckens gefolgt von „nein passt eh“, raus. Es mag ja tatsächlich vorkommen, dass alle Fragen geklärt wurden, meistens jedoch ärgern sich viele Bewerber, dass Sie die eine oder andere Frage nicht gestellt haben, die ihnen erst später in den Sinn gekommen ist. Alter weiser Spruch: Vorbereitung ist die halbe Miete. Sind tatsächlich alle Fragen beantwortet worden, können Sie auf Ihren Zettel verweisen und lächelnd antworten: „Sie haben alle meine Fragen schon beantwortet, danke schön.“ Zur Anregung hier ein paar Fragen zum Mitnehmen ins Gespräch: Wird diese Stelle neu besetzt, oder folge ich jemanden nach? Wie schaut das Team aus, in dem ich arbeiten werde? Gibt es konkrete Ziele, die ich zu erreichen habe? Worauf legen Sie besondern viel wert? Meine Gehaltsvorstellung! Wie schauen die nächsten Schritte aus? Eine weitere Frage möchte ich Ihnen am Ende des Gesprächs ans Herz legen, mit der Sie herausfinden können, wie gut Sie im Gespräch angekommen sind. „Wie sieht denn meine erste Zeit bei Ihnen aus?“ Anhand der Reaktion, der Worte und der Mimik ist schnell klar, wie es um einen bestellt ist. Ausserdem passiert unbewusst etwas im Kopf des anderen. Wenn es um knappe Entscheidungen geht, wird das Hirn nach Bildern suchen, die es schon mal entworfen hat. Und mit dieser Frage, hat die Person sie schon im Unternehmen visualisiert. Sichern Sie sich also diesen kleinen Vorsprung, für den Fall, dass es knappt wird. Unser Hirn ruft immer ab, was schon vorhanden ist. Das ist nett vom ihm, oder? ☺️

Viel Spaß beim Vorbereiten Ihrer Schummelzettel, nur diesmal nicht im Kleinst- und Nichsichtbarformat, wie anno dazumal in der Schule, sondern als Hingucker, der alle Beteiligten bereichert.

Advertisements