Was macht Thomas Müllers Vortrag so einzigartig

Thomas Müller

Es gibt Vorträge, die uns fesseln und begeistern und jene, die uns zum Gähnen bringen und schlimmsten Falls zum Davonschleichen anstiften. Was macht den Unterschied? Werfen wir gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen von hervorragenden Vortragenden und entschlüsseln wir den Begeisterungscode.

Am Wochenende hatte ich das große Vergnügen einer Einladung zu Thomas Müllers Vortrag (Tiroler Kriminalpsychologe) folgen zu dürfen. Ich wollte ihn schon lange kennen lernen, der Typ, dessen Blick fesselt und der Kriminelle anders sieht und uns zum Nachdenken anregt. Das Thema war „Der kriminalpsychologische Ansatz“, der Gastgeber, die WK Steiermark zum EPU Erfolgstag. Im Anschluss suchte ich den persönlichen Kontakt zu Thomas Müller. Als „Lernen von den Besten“ Expertin wollte ich von ihm erfahren, wie er seine Vorträge aufbaut. Ich meine er ist Psychologe, er weiß wie man Menschen besser erreicht. Er hat mich etwas irritiert angesehen und gemeint, man müsse einfach authentisch bleiben. Darauf antwortete ich ihm, dass ich sein Vortragsdesign kenne und zwinkerte. Und dieses möchte ich Ihnen nicht vorenthalten und Ihnen die Möglichkeit geben, von den Besten zu lernen. Für Ihren nächsten begeisterungsfähigen Vortrag.

Die Ansprachen aus WK und Politik sind, wie zu erwarten, langweilig. Und dann kommt er, Thomas Müller. Er schlürft langsam auf Podium, seine Tasche unterm Arm, nimmt Platz hinter dem Pult und legt los. Er verharrt ganze eineinhalb Stunden dahinter. Vergessen Sie die Regel, ein guter Vortragender muss sich bewegen. Wenn du gut bist und was zu sagen hast, ist es vollkommen egal. Nur wer nichts zu sagen hat, der muss sich mit theoretischen Hilfsmitteln auf mascherln.  Müller fängt sein Publikum, indem er sie von der ersten Minute an zum Lachen bringt. Er erzählt von anderen Vorträgen und Hoppalas, extrem bildhaft dargestellt, sodass die Erlebnisse fast zum Erleben greifbar nahe sind und stellt ganz nebenbei, die Politiker ins schlechte Licht. Nicht bösartig, nur schelmisch und nicht er macht sie schlecht, sondern die anderen. („… ich bin der „Überraschungsgast“, die Teilnehmer dort sehen mich, kennen mich nicht und meinen, dass muss ein Politiker sein, die sehen auch so …. aus) Jetzt hat er uns endgültig auf seiner Seite, er spricht aus, was wir denken und gerne hören. Eine ganz wichtige Regel, sprich die Sprache deiner Zuhörer und sie werden dich lieben. Wir fühlen uns zu Gleichgesinnten mehr hingezogen, als zu Belehrern. Aus dem Marketing kommt ein weiser Spruch „Der Anfang ist entscheidend, das Ende bleibt in Erinnerung.“ Er macht sich auch über sich und seinen nasalen Ton lustig und schildert beeindruckend, was Ärzte mit ihm schon vorhatten und wird damit immer menschlicher.

Seine hohen Kompetenzen listet er nicht auf, sondern baut sie gekonnt in den Vertrag ein, indem er seine kriminologischen Fälle ganz nebenbei erwähnt. Jene die weit über unsere Grenzen hinaus bekannt sind und jene Referenzen, also Organisationen, die ihn zu Hilfe rufen, die wir bestenfalls über die Medien kennen. Das wirkt nicht so überheblich. Was er noch mit den kompetenten Geschichten macht, ist, dass er darin ausdrückt, was er dadurch verändern möchte, im Sinne einer besseren Welt. Und das wollen wir Teilnehmer auch. So sind wir endgültig bereit von ihm zu lernen. Zum Beispiel über eine Kongress in Zürich, wo Investmentbanker über die schlimme, aussichtslose Welt jammern, dass es gar keine Perspektive gibt, alles den Bach runter geht. Er antwortete diesen “ wir fahren jetzt nach Amstetten in den Keller, wo ein 17 jähriger Junge 17 Jahre keine Sonne sah, in einem Loch zu leben, dass sind keine Perspektiven, schauen wir ob Sie 2 Stunden dort aushalten….“

10 Thesen, – die er dem Publikum näher bringt, untermauert er mit lustigen und traurigen Geschichten, bindet laufend Weisheiten von wichtigen gegenwärtigen und verstorbenen bekannten Persönlichkeiten dieser Welt  ein -, sind der rote Faden, den wir Zuhörer brauchen, um uns unbewusst orientieren zu können. Sie lassen aufhorchen und uns unbewusst lernen. Für ein besseres Verständnis zieht er laufend bildhafte Vergleiche.  Zum Beispiel: wie wichtig Angst in unserem Leben ist. Hätten wir keine Angst würden wir vom sechsten in den dritten Stock über die Häusermauer gehen, oder bei Rot die Straße überqueren. Skurrile Geschichten, die einem zum Lachen und zum Nachdenken bringen. Bis zum Ende wiederholt er die wichtigsten Punkte, die es für ein besseres Leben zu beachten gilt. Also jetzt haben wir …. und…. und ergänzt die Punkte nach jeder These. Seinen Lebenslauf, den man normaler Weise am Anfang erfährt, baut er gekonnt einmal einmal. In einfacher Form stellt er seinen Lebenslauf anhand drei wichtigen Stationen in seinem Leben und den daraus gewonnenen Erkenntnisse dar. Am Ende bedankt er sich beim Publikum und hofft etwas beigetragen zu haben und wiederholt den Titel der Veranstaltung. Dies hilft, um etwaige Fragezeichen in den Köpfen der Teilnehmer auflösen zu können.

Genial fand ich auch, die Art und Weise, wie er uns sein Buch schmackhaft gemacht hat. Er hat eine Mail von einem Teilnehmer erhalten, dessen Namen er natürlich nicht nennt (Datenschutz). Darin steht, dass dieser am Vortrag teilnimmt und ihn bittet danach ein Buch von Müller zu signieren, das er seiner Schwiegermutter schenken will. Müller weißt ihn darauf hin, dass er bedenken solle, dass die Bücher „Bestie Mensch und Gierige Bestie“ heißen. Umso besser Antwort der Teilnehmer im email, toll denn dann erhält ein Buch seine Schwiegermutter und ein Buch seine Frau. Alle im Publikum lachen. Danach bringt er uns noch näher, für wen welches Buch geeignet ist und verweist auf einen anschließenden Verkauf im Foyer. Dieser Art des Verkaufens erfolgt erst auf der unbewussten Ebene (die Geschichte vom Teilnehmer) und erst danach auf bewusster Ebene (Verkauf im Foyer) und wirkt sich förderlich auf unsere Kaufentscheidung aus, da wir es nicht als „Verkauf“ wahrnehmen.

Während des gesamten Vortrages wirkt Thomas Müller zufrieden, er freut sich über Reaktionen und genießt es, hier sprechen zu dürfen. Man darf miterleben, wie gerne er Vorträge hält. Das macht auch seine Authentizität aus, von der er mir erzählte. Dann verschwindet all das Oberflächliche, von nicht am Rednerpult lehnen, Nasen bohren (Tatsache), nicht gerade ins Mikrophon sprechen,…. Denn er erreicht unsere Seele und möchte in uns für uns etwas bewirken und dafür möchte ich Ihnen lieber Herr Müller Danke sagen. Sie zählen nicht zu jenen Menschen, die etwas zu sagen haben.

Seine Erfolgsfaktoren aus meiner Sicht:
1. Lustiger Einstieg, sich selbst nicht so wichtig nehmen, andere ein bisschen kleiner machen (die das Publikum kleiner gemacht haben will)
2. Habe etwas zu sagen, dass die Welt verbessert und der einzelne Teilnehmer profitiert
3. Roter Faden und nach jedem Punkt eine Erinnerung, was es zu lernen gilt
4. Sei authentisch und zeige deine eigene Begeisterung
5. Füge fremde Weisheiten bedeutender Persönlichkeiten ein
6. Mache deine Inhalte durch skurrile, lustige, nachdenkliche und beängstigende Geschichten erlebbar
7. Verkaufe ohne zu verkaufen

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