Storytelling

Kennen Sie den Film „Schiffbruch mit Tiger – Life of Pi“? Er zeigt auf beeindruckende Weise auf, wie Storytelling Menschen beeinflussen kann, je nachdem welcher Typ wir sind und welche Art von Geschichten wir bevorzugen. Obwohl die Ausgangssituation und das Ergebnis unverändert bleiben, beeinflusst die Art der Erzählung unser Denken.
In diesem Film geht es um das Überleben des indischen Jungen Pi auf offener See. Bei einer Überfahrt auf einem großen Schiffsfrachter mit seiner Familie und den Tieren aus dem Zoo, erleiden sie Schiffbruch. Sein Erlebnis erzählt er einem Mann aus England.

Pi, ein Tiger, ein Zebra, eine Hyäne und ein Orang-Utan überleben auf einem Rettungsboot. Das Zebra war schwer verletzt und wurde von der Hyäne angegriffen und getötet. Darauf hin wird der Orang-Utan wütend und versucht die Hyäne unter Kontrolle zu bekommen. Doch die Hyäne ist hinterlistig und besiegt auch den Orang-Utan. Pi ist verzweifelt, ist er doch Vegetarier und kann das gegenseitig Töten nicht ertragen. Wie aus dem Nichts, das Boot ist bis zur Hälfte mit einer Planke bedeckt, stürzt der bis dato nicht am Boot entdeckte Tiger hervor und tötet die Hyäne. Der indische Junge ist mit seinen Nerven am Ende, weint, schreit und hat unendliche Angst vor dem Tiger, dessen Gefährlichkeit er als Kind hautnah tragisch mit erleben musste. Langsam und geduldig lernt er, den Tiger zu zähmen, mit ihm umzugehen und ihn als Kameraden jedoch immer mit hohem Respekt zu entdecken, denn jemanden anderen hatte er nicht, in dieser verdrießlichen Lage. Gemeinsam erleben Sie wunderbare Naturschauspiele, katastrophale Niederlagen, Hungersnöte und den Überlebenskampf. Immer wieder findet ein seelischer und physischer Kampf zwischen Pi und Tiger statt, den Tiger in bestimmten Situationen sterben lassen, oder auch töten, um selbst zu überleben? Später entdecken sie auch noch eine „außerirdische Insel“ mit beeindruckender Landschaft, Tieren und fleischfressenden Pflanzen. Eine Überlebensstation, die noch Wasser und Essen für die letzte Strecke bietet. Am Ende werden Pi und der Tiger ausgehungert und am Ende ihrer Kräfte an einem Stand angespült und von Bewohnern gerettet. Pi letzter Blick gilt dem Tiger, der im Dschungel verschwindet. Er war nie mehr wieder gesehen.

In einem Krankenhaus im asiatischen Raum erzählt er seine Geschichte Journalisten, die ihm unglaubwürdig zuhören. Schlussendlich fragen sie ihn, ob er nicht eine andere Glaubwürdigere hätte. Er zögert zuerst, sichtlich geschwächt und enttäuscht, und beginnt von vorne. Der Frachter kentert, ein Schiffsjunge (in gestreiftem Outfit/Zebra), der Koch (hysterisch und aufbrausend/Hyäne), seine Mutter (umsorgend Orang-Utan) und er (Tiger) schaffen es noch in letzter Sekunde aufs Rettungsboot. Der Koch tötet den Schiffsjungen, die Mutter erschlägt den Koch und Pi überlegt und fechtet einen Überlebenskampf mit sich selbst aus. Pi überlebt. Die asiatischen Journalisten zeigen sich zufrieden.

Der Mann aus England schaut fragend und Pi, mittlerweile Familienvater, fragt ihn: Welche Geschichte gefällt Ihnen besser? Und der Mann antwortet, die Erstere.

Storytelling gibt Informationen den Sinn, den wir brauchen, um sie verarbeiten zu können. Beim Storytelling geht es nicht nur um die Geschichte selbst, sondern sie dem Publikum anzupassen. 

Was ist das Geheimnis von Steve Job, Kaiserin Sissy oder Udo Jürgens. Sie liefern uns Geschichten, die wir weiter erzählen können, weil sie leichter in unseren Köpfen bleiben. Was wirkt mehr? „Entwickler von Computern oder Studium hingeschmissen, aus eigener Firma entlassen, lässt keinen Computer von Kunden öffnen, denn was der Mensch öffnen kann, macht er kaputt? Kaiserin von Österreich und Ungarn, oder die große Liebe von Kaiser Franz Josef, eigenwilliges Bauernmädel, tödlicher Stich ins Herz? Österreichischer Sänger oder früher Hörverlust, der Bademantel beim letzten Song jedes Konzertes, von der Familie aufgrund der Liebe zur Musik weg gewiesen?“

Geschichten wirken bei uns mehr, als Fakten und Informationen. Sie gehen tiefer, erreichen unsere Seele und gewinnen leichter unsere Aufmerksamkeit und Konzentration. Storytelling ist eine Form des Erzählens, das mittels Metaphern Weisheiten vermittelt. Dadurch werden Informationen leichter verstanden und vom Zuhörer angenommen. Diese narrative Art in der Kommunikation gibt den Informationen jenen Sinn, den wir brauchen, um sie in unseren Entscheidungsprozessen nutzen zu können. Storytelling zählt zu den zukunftsweisenden Marketingmethoden. Coca Cola hat Storytelling fix als Strategie integriert hat und geht mit Liquid Storytelling einen Schritt weiter.

In den Geschichten identifiziert sich der Zuhörer oder der Zuseher mit dem Helden und teilt (virales Marketing) diese noch lieber mit anderen Menschen.

Wichtige Merkmale des Storytellings sind: Helden, Probleme und Lösungen, Emotionen, Identifizierung, Mehrwert, Unterhaltung und Inspiration

Helden: Beziehen Sie ähnliche Typen oder Zielgruppen, mit denen sich die Zuhörer identifizieren können, als Helden ein.
Probleme und Lösungen: Welches Problem gilt es zu verhindern und was kann man statt dessen einführen?
Emotionen: Das Publikum muss mitfühlen können, sich freuen, Angst haben, lachen und weinen.
Identifizierung: Erst wenn das Publikum einen Zusammenhang zwischen einem Helden, einer Emotion oder eines Problems und sich erkennt, wirkt die Geschichte.
Mehrwert: Wenn die Geschichte nur eine Geschichte bleibt, ist der Outcome zu wenig. Beim Zuhörer muss bewusst oder unbewusst ein Mehrwert entstehen, das Gefühl oder eine erste Idee: das kann ich brauchen!
Unterhaltung und Inspiration: Im Grunde lacht jeder gerne. Statistiken belegen, dass Kinder bis zu 400 Mal am Tag lachen, Erwachsene nur mehr 40 Mal. Hier können wir helfen, die Differenz zu Minimieren. Mit dem Lachen fördern wir auch die Kreativität. Wir lernen bis zum 3. Lebensjahr mehr, als je danach. In diesem Alter, nehmen wir gar nichts ernst, sondern lachen, wenn wir bei den ersten Gehversuchen auf die Nase fallen, kurz später wieder. Und kommen nicht auf die abstruse Idee, dass das Gehen nicht unser Ding ist und bleiben liegen. Wir starten als Kinder lachend und voller Engagement in den nächsten Versuch.

Beispiele aus der Praxis:

1. Ansprache bei einer Jahresfeier:
Bei einer Jahresfeier einer kleinen Hotelkette in Österreich hat der Direktor im Oktober eine Ansprache gehalten. Die Reaktion der Gäste: sie sind eingeschlafen, haben am Handy gespielt und wirkten desinteressiert. Übliches Gerede und nichts zu sagen, war in den Köpfen zu lesen. Das neue Team (klingt wie hohe Fluktuation, keine bleibt bei uns) wurde wie üblich per Namen und Position vorgestellt. Das Vorhaben im nächsten Jahr. Zahlen und Fakten. Das kennt jeder, das weckt null Interesse und lädt zum Gähnen ein. Kennen Sie das, furchtbar? Meistens reflektiert der Direktor, dann auch noch, dass die Gäste eh kein Interesse haben und nur zum Essen kommen. Ja sicher, beim dem Auftritt! Anders hätte es gewirkt (die Gäste waren hauptsächlich Lieferanten), jene Punkte zu erwähnen, die durch den jeweiligen Lieferanten besser geworden sind. Und die Mitarbeiter durch ihre Kompetenzen auszuzeichnen. Zum Beispiel: Wenn Frau Anna im Zimmer war, können Sie mit der Lupe nach Staub suchen – vergeblich, sie sagt selbst bei ihr zu Hause kann man vom Boden essen. Und Lukas seine Spätzle sind betörend, fragen Sie Herrn Müller, nicht wahr Herr Müller?… Dank den individuell neu abgestimmten Badreinigern der Firma Muster, sinken die Beschwerden der Gäste, vielen Dank Herr Tester, schön Sie als Lieferanten zu haben. Dann hören die Gäste zu. Ja natürlich ist das anstrengend, weil es Vorbereitung braucht. Nicht wenn Sie sich eh für Ihre Mitarbeiter und Lieferanten interessieren, dann können Sie so was aus dem Stegreif erzählen.

2. Bewerbungsgespräch: statt: Kommunikationsstärke ist in der Projektarbeit enorm wichtig.
Ich halte es da ganz wie Roman Braun, der sagt: E=LxK2 (Erfolg ist Leistung mal Kommunikation zum Quadrat). Es gibt die, die arbeiten fleißig, jedoch ohne Erfolg und jene, die reden und reden, hackeln dürfen die anderen und ernten den Erfolg nur für sich. Und die Mischung zwischen guter Leistung und noch besserer Kommunikation, die den anderen erreicht und motiviert, ist jene zum gemeinsamen Erfolg und im Sinne des Unternehmens. Und das bekommen Sie mit mir.

Im Bewerbungsprozess können Sie Storytelling auch zur Beweisführung von Kompetenzen nutzen. Dann achten Sie auf folgende Inhalte: In welcher Situation, habe ich welche Kompetenz in welcher Form zur Lösung eingesetzt und welche positiven Ergebnisse erreicht?

3. Bewerbungsgespräch: statt ich bin umsetzungsstark und lösungsorientiert
In meiner letzen Position als Marketingmanager wurde meine Umsetzungsstärke immer wieder gelobt. Ein Beispiel: Bei einem Presseevent im Unternehmen, war der Geschäftsführer, der die Ansprache halten sollte, auf dem Weg von Wien nach Graz in ein Schneechaos geraten. Ich musste die Ansprache übernehmen und mich in nur 20 Minuten darauf vorbereiten. Am Telefon habe ich den Direktor um seine 5 wichtigsten Botschaften gefragt. Mich gesammelt und um die 5 Botschaften die Ansprache auf die Zielgruppe ausgearbeitet. Der Abend wurde zum vollen Erfolg. Herr Mayer meinte, dass keiner an meine Umsetzungsstärke herankommt und allein dafür würde ich mich nie gehen lassen. Jetzt musste er es tun, leider, aufgrund seiner Pensionierung.

In diesem Beispiel hat der Bewerber nicht sich selbst „gelobt“, sondern eine dritte Person (der Geschäftsführer) loben lassen. Dass hat jenen Vorteil, dass wir dritten Personen eher Glauben schenken, als unserem Gegenüber. Wir glauben auch nicht der Webseite eines Hotels, sondern lesen Rezessionen von Gästen. Auch die Rückseite eines Buches wirkt oft nicht so sehr, wie eine Rezession eines Lesers oder die Empfehlung über Bekannte und Freunde.
Im Bewerbungsgespräch vermittelt es den Eindruck einer Referenz und unterstützt die Glaubwürdigkeit des Gesagten.

Storytelling ist die hirngerechte Form der Markenbildung Ihrer Person. Im Bewerbungsgespräch erzeugt sie klare, attraktive, starke Bilder im Kopf des anderen und sorgt so für einen Wettbewerbsvorteil gegenüber fachlich gleich qualifizierten Mitbewerbern. Es ist die hochwertige Verpackung Ihrer Kompetenzen.

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