Gute Trainer und noch bessere Teilnehmer

Manche mögen meinen, die Schuld anderen zuschieben, mag eine gute Strategie sein. Vielleicht ist es das auch. Die meisten Zuhörer steigen auch kollektiv ins schlecht reden ein, voller Begeisterung. Wahrscheinlich liegt das an unserem Naturell: Wenn es einen Schuldigen gibt, bin es sich nicht ich! Ich frag mich nur,ob einen diese Strategie weiterbringt. Ich meine, auskotzen ist ja gut und hat auch ab und an seine Richtigkeit, aber ändern tut sich dadurch selten etwas. Die meisten wissen, zumindest in der Theorie, dass man am anderen schwer etwas ändern kann, bei einem selbst steigt dabei die Wahrscheinlichkeit um ein Zigfaches. Wieso nutzen wir nicht diese Chance? Sondern erkennen zuerst die Anstrengung dahinter und lassen es daher lieber sein.

Wenn man als Trainer keine gute Bewertung erhält, kann das an faulen, desinteressierten und besser wissenden Teilnehmern liegen. Oder auch daran, das Thema nicht gut genug an die Zielgruppe ausgerichtet zu haben. Es ist schon klar, dass der zweite Gedanke mehr weh tut, als der erste, aber den kann ich wenigstens ändern. Ja, das ist ein gehöriger Aufwand und der einzige der sich auszahlt. Eine wichtige Regel beim Trainieren und Präsentieren ist für mich, Abstand zu nehmen von dem unrealistischen Ziel alle 100% der Teilnehmer erreichen zu wollen. Das wäre auch Blödsinn, es müssen nicht alle an einem Thema interessiert sein. Jedoch einen Großteil von ihnen sollte ich erreichen WOLLEN. Nur wenn ich Themen so aufbereite, dass die Teilnehmer vom Zuhören und Mitmachen profitieren, sind sie aufmerksam. Nicht wenn ihnen Gedanken und Wissen aufgezwungen werden. Wir sind doch alle effizient unterwegs, das wird auch im Job  von uns verlangt. Das heißt dann auch, dass wir auch mit Wissen so umgehen und unseren Kopf von Unwichtigem fern halten, sonst wäre er ja mit Schrott gefüllt, wenn wir nicht selektiv mit dem uns angebotenem Wissen umgehen. Unser Kopf ist bekanntlich beschränkt befüllbar. Deshalb liegt es in unserer Natur, nur jenes Wissen aufzunehmen, das uns und andere weiterbringt. Und was einen weiter bringt und ob sie weiter kommen wollen, müssen wir schon den Personen selbst überlassen. Anders Verhalten wäre überheblich.

Wie wir in den Wald hinein rufen, so hallt es zurück: ist ein alter Spruch. Ich garantiere allen, so wie Sie über Ihre Teilnehmer denken, werden sie sich Ihnen gegenüber verhalten, die sind nämlich artig und wollen Sie auf gar keinen Fall enttäuschen. Wenn Sie denken, das sind alle desinteressierte Nichtstuer, dann werden Sie auch auf diese Menschen treffen. Wenn Sie denken, bin gespannt, wie ich diese herausfordernde Gruppe erreichen kann, werden Sie die richtigen Infos rechtzeitig erhalten und das Blatt wird sich zum Positiven wenden.

Teilnehmer sind niemals auf Trainer persönlich „böse“. Irgend welche Erfahrungen bringen sie dazu, oft nicht förderliche Verhaltensmuster an den Tag zu legen. Es liegt an uns Trainern, uns nicht von Unwesentlichem ablenken zu lassen, sondern sie tief im Kern zu erreichen. Dort können wir nachhaltige Spuren hinterlassen. Wir können Teilnehmer nur dann zu neuem Wissen verführen, wenn wir selbst von unseren Kompetenzen und der Wichtigkeit und Nachhaltigkeit dieser Wissensvermittlung überzeugt sind. Wenn nicht, vergeuden wir bitte nicht die Zeit von anderen.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei jenen „großartigen Lehrern“ bedanken, die mich diese Fähigkeit im Laufe meiner Ausbildung gelehrt haben. Sie hatten eines gemeinsam: Sie haben uns Teilnehmern keine Theorie aufgezwungen, sondern uns „erreicht“.

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